Unser Strom – Atomkraft und erneuerbare Energien in Deutschland

Atomkraft und grüner Strom.  Abschaltung Deutscher Atomkraftwerke (AKW) und Energiewende. Wie diese Begriffe und Vorhaben zusammen passen, ist ein derzeit stark umstrittenes Thema. Deutschland setzt im Zuge der Energiewende auf den Ausstieg aus der Kohle- und Atomenergie und den Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarkraft. Wohingegen Frankreich konsequent fordert, Atomkraft als „grün“ einzustufen, d.h. als umweltfreundlich, womit es Zuschüsse, also Geld zur Förderung des Ausbaus, für den Bau neuer Werke gäbe. Aktuell befasst sich die EU* mit diesem Konflikt. Im folgenden Text möchte ich mich nicht für oder gegen eine Seite aussprechen, nur alle Seiten einmal beleuchten und erläutern.

„Atomkraft ist besser als Kohle“

Befürworter der Hochrisikotechnologie – der Atomkraft – sehen neben der Klimaverträglichkeit vor allem die Effizienz. Atomenergie ist in industriellen Mengen verfügbar und deshalb auch wesentlich günstiger als z.B. Kohlenwasserstoff. In den Industrieländern, wie den USA und europäischen Ländern, gibt es zudem große Uranreserven, die nicht erst abgebaut werden müssten wie Kohle, weshalb auch keine zusätzlichen Flächen gerodet werden müssten. Laut Vertretern der Branche böten moderne Reaktoren ausreichend Sicherheit vor der gefährlichen radioaktiven Strahlung, sodass Sorgen um eine weitere Tschernobyl-ähnliche Katastrophe unberechtigt seien. Atomkraft sei beherrschbarer als der Klimawandel. Selbst wenn es zu einer solchen Katastrophe wie der von 1986 kommen sollte, würden angeblich nicht mehr Menschen sterben, als beim Kohleabbau, hochgerechnet auf die Jahre, in denen das Atomkraftwerk im Betrieb war. 

Oft angeführt werden Studien des amerikanischen Oak Ridge National Laboratory (ORNL), die besagen, dass die radioaktive Belastung in der Umgebung von Kohlekraftwerken höher sei als die in der Umgebung von Atomkraftwerken. In den AKWs gebe es sicheren Strahlenschutz, den es in Kohlekraftwerken nicht gebe – dort würden radioaktive Uran-Isotope und Thorium, die in Kohle enthalten sind, über die Schornsteine freigesetzt. In Atomkraftwerken wird Uran-235 verwendet, das sehr „energiedicht“ ist. In einem Kraftwerk in der Schweiz werden jährlich 625 Tonnen Natururan zum 25 Milliarden Kilowatt Strom. Thorium, ein Element des Periodensystems, ist noch energiereicher und produziert weniger Abfälle. Möglicherweise wird Uran von Thorium irgendwann abgelöst. Wie dem auch sei, werden diese beiden in AKWs verwendeten radioaktiven Stoffe von KKWs freigesetzt. Forscher des ORNL sagen, im 100-Jahres-Abschnitt bis 2040 würden allein von Kohlekraftwerken 800.000t hochradioaktiven Urans freigesetzt. Aus der Kohleenergie will Deutschland allerdings auch aussteigen.

Weder das eine, noch das andere

Gegner der Atomenergie verweisen auf Katastrophen wie die bereits genannte in Tschernobyl 1986*4, so wie sie auch auf das schon jetzt ausgeprägte „Atommüllproblem“ hindeuten. Die radioaktiven Brennstäbe, die zur Energieerzeugung verwendet werden, sind irgendwann „aufgebraucht“, aber immer noch hochradioaktiv. Dies erschwert die Entsorgung erheblich. Die Suche von sogenannten Atommüll-Endlagern gestaltet sich immer sehr schwierig. Ständiger Begleiter sind Anwohner, die aus Angst nicht wollen, dass der Atommüll in ihrer näheren Umgebung gelagert wird. Auch im Deutschland gab es schon viele solcher Proteste, die insgesamt gegen Atomkraft gerichtet waren. Deshalb fordert die deutsche Regierung die Abschaffung dieser Hochrisikotechnologie, nach der immer noch eine enorme Gefahr von den Castoren (darin werden die Brennstäbe aufbewahrt / Behältnis) ausgeht. Die Grünen*1 wollen nicht, dass diese Gefahr sich noch vergrößert, und sind überzeugt, dass auch ohne Atomkraft der Ausstieg aus der Kohleenergie hin zum „Grünen Strom“ geschafft werden könne. Darum fordern sie den flächendeckenden und europaweiten Ausbau der Solar- und Windenergie sowie anderer erneuerbaren Energien.

Was denn nun?

Auch wenn ich hier mehr Pro-Argumente anführe, hängt die eigene Meinung immer noch von der Gewichtung der einzelnen Argumente ab. Wie sind die Argumente gewichtet? Sind die der Atom-Gegner ausschlaggebender? Das steht nun mal nicht fest. In der EU wird über diesen Konflikt jetzt diskutiert, wobei Deutschland und weitere Mitgliedsstaaten bereits angekündigt haben, gegen eine Einstufung der Atomenergie als „grün“ zu klagen.

Blick nach Deutschland

Aber wie sieht es eigentlich in Deutschland aus? In der Nacht vom 31.12.2021 auf den Neujahrstag wurden drei der noch sechs aktiven Atomkraftwerke abgestellt und der Ausstieg aus der Kohle scheint nicht mehr weit. Wie steht es also mit den „grünen“ Energien?

Auf vielen Häusern sind bereits Photovoltaik-Anlagen installiert und wie vielerorts ist die Landschaft schon von Windrädern geprägt. Allerdings steht sich Deutschland selbst im Weg: Die Solarsteuer, die erhoben wird, wenn man Solaranlagen auf seinem Dach hat, schreckt ab; der Ausbau der Windkraft ist gefährdet, da am 30.Juni 2021 die Übergangsförderung sukzessiv*2 zurückgefahren wurde, weshalb sich Windräder für viele nicht mehr rentiert*3 haben und wieder abgebaut wurden. Wer die Windräder beobachtet, dem fällt außerdem auf, dass viele trotz ausreichend Wind nicht im Betrieb sind.

Was in näherer und auch entfernterer Zukunft passiert, bleibt abzuwarten und zu beobachten.

*EU = Europäische Union – Vereinigung von Staaten in Europa

*1 Partei in Deutschland – Bündnis 90/Die Grünen

*2 sukzessiv = Stück für Stück

*3 rentieren = sich lohnen, auszahlen

*4 Am 26.04.1986 explodierte der vierte Reaktor des AKWs Tschernobyl. Das führte zu einer Atomkatastrophe, da sich eine riesige radioaktive Wolke gebildet hatte, die bis nach Deutschland reichte. Noch heute ist das Gelände um das AKW weiträumig abgesperrt. Bei der Explosion und an den Folgen von Kontakt mit hochradioaktiven Partikeln – selbst der Regen war radioaktiv- starben mehr als tausend Menschen. Eine weitere Atomkatastrophe gab es in Fukushima.

Quellen:

https://www.bund-nrw.de/fileadmin/nrw/dokumente/braunkohle/2008_11_BUNDhintergrund_Radioaktivitaet_aus_Kohlekraftwerken.pdf

https://www.gruene-bundestag.de/themen/atomausstieg

Autorin: Mara Grotewohl

von Mara

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