Rechtsextremismus – eher wissenschaftlich betrachtet

Überall im Internet, in den Nachrichten und auf der Straße begegnet man dem Begriff Rechtsextremismus. Was ist das überhaupt? Ist das was Schlimmes?

Rechtsextremismus ist weltweit zu finden. Neben einem gemeinsamen Kern gibt es allerdings, je nach Land, unterschiedliche gesellschaftliche Voraussetzungen, da sich die Bezeichnung „rechts“ immer auf einen konkreten geschichtlichen Kontext bezieht.

Als Rechtsextremismus versteht man einen Sammelbegriff für faschistische, neonazistische oder chauvinistisch-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten. Er steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Begriff Rassismus.

Man verwendet den Begriff für Ideologien, deren gemeinsamer Kern die Überbewertung der ethnischen Zugehörigkeit, das Infragestellen der Gleichheit aller Menschen und ein antipluralistisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis ist. Die Anhänger des Rechtsextremismus wollen ein Reich, in dem nur eine Ideologie und eine Meinung existieren. Ihre Ideologie soll das Land durch die Person eines Führers leiten.

Extremisten lehnen die Demokratie ab und wollen den Staat nach ihren Vorstellungen verändern. Dazu verfolgen sie beispielsweise andere Menschen. Jene, die nicht ihrer Meinung sind. Sie schüchtern sie ein und gehen möglicherweise gewalttätig vor. Es wird nicht davor zurückgeschreckt körperliche Gewalt als Mittel zu verwenden. Bei organisierten rechtsextremen Gewalttaten spricht man von Rechtsterrorismus.

Rechtsextremisten verachten Menschen, die nicht ihrer Nation oder ihrer „sogenannten Rasse” angehören, eine nicht ihrer Norm entsprechende Sexualität empfinden, körperlich oder geistig behindert sind oder einer anderen Religion als der ihren angehören. Sie sind der Meinung, dass die Stärkeren das Recht zum Leben und zur Freiheit haben und dass sie es wert seien, geschützt und gefördert zu werden. Je schwächer, desto weniger wert und desto weniger Lebensrecht. Der Fachbegriff hierfür lautet Sozialdarwinismus.

Der Sozialdarwinismus basiert auf einem falschen Verständnis von Darwins Evolutionstheorie. Die Rechtsextremisten ziehen für sich aus dieser Theorie, dass der Stärkere überlebt und der Schwache stirbt. Dies stimmt allerdings so gar nicht.

Eine Demokratie lebt davon, dass es Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen gibt, welche Unterhaltungen und Diskussionen führen. Menschen, die ihre Denkweise begründen können und andere Meinungen zulassen. Rechtsextremisten neigen dazu, nicht mit rationalen, durchdachten Argumenten zu begründen, sondern mit ihrer Ideologie. Diskussionen werden abgelehnt und echte Argumentationen vermieden.

Die Vorstellung, dass ein Mensch aufgrund seiner Identität minderwertiger oder unwürdig sei, ist menschenverachtend. In unserem Grundgesetz steht an erster Stelle, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Der Mensch kann sie sich weder verdienen, noch kann er sie verlieren. Das bedeutet, dass jeder Mensch den gleichen Wert besitzt, respektiert und geschätzt werden muss sowie eine gleiche Berechtigung hat, ein ebenbürtiger Teil der Gesellschaft zu sein. Unsere Freiheit gehört zu unseren Menschenrechten und ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergeschrieben. Uns ist freigestellt, wen wir wählen, was wir glauben und wer wir sind. Niemand hat das Recht uns vorzuschreiben, wie wir zu sein haben.

Rechtsextreme möchten insbesondere die politische Freiheit einschränken, damit jede*r ausschließlich ihre Ideologie anerkennt. Eine politische Streitkultur, in der verschiedene Meinungen geachtet und anerkannt werden, ist nicht in ihrem Sinn. Sie wollen keinen Pluralismus.

Die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland (30.1.1933- 8.5.1945) sowie des Faschismus in Italien (1922-1943/45) ist für viele politisch rechts Gesinnte ein Vorbild, welches sie wiederbeleben wollen (Neonazismus). Daher kommt auch die Bezeichnung „Neonazi“, also „neue Nationalsozialisten“.

Rechtsextremismus teilt sich in ein großes Spektrum mit mehreren Teilen. Es gibt zum Beispiel Parteien und aktionsorientierten Rechtsextremismus.

Zu den Parteien zählen die NPD, allerdings auch die Parteien „Die Rechte“ und „Dritter Weg“ sowie Teile der AfD, welche generell eher politisch rechts eingestellt ist.

Zum aktionsorientierten Rechtsextremismus werden Akteure, die insbesondere im öffentlichen Raum erkennbar präsent sind oder sein wollen, gezählt. Dazu gehören auch Verlage und Schulungszirkel, die durch die Einspeisung ihrer Ideen in gesellschaftliche Debatten die gesellschaftlichen Diskurse dominieren wollen, wie beispielsweise die Szene der Holocaust-Leugner.

Rechtsextremisten verbreiten ihre Meinung und Ideologie sowohl durch Vereine (zivilgesellschaftliche Aktivitäten), politische Kundgebungen (klassische politische Arbeit), Seminarangebote, Publikationen als auch durch Internet und Social Media Auftritte.

Es gibt zusätzlich noch Grenzbereiche, welche die Brücke zum demokratischen Bereich der Gesellschaft darstellen. Sie fungieren über den Rechtskonservatismus. Rechtskonservatismus bezeichnet eine Ausrichtung des Konservatismus, die im politischen Spektrum rechts von der Mitte, insbesondere rechts der Christdemokratie angesiedelt ist.

Manche, wie z.B. die AFD, versuchen moderat wahrgenommen zu werden, während andere wie beispielsweise die NPD ihre nationalsozialistische Ideologie offen zur Schau stellen und laut und deutlich mit der Welt teilen.

Die nationalsozialistische Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund (1998-2011)“ (NSU) ist ein Beispiel für rechtextremistisches Schaffen, welches das Leben von 10 Menschen beendet und das vieler Anderer stark beeinflusst hat.

Leider können wir an dem, was zur Zeit des Nationalsozialismus passiert ist, nichts mehr ändern. Die kürzlich verstorbene Esther Bejarno (1924-2021) meinte: „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“

In Eschede finden beispielsweise Demonstrationen gegen regelmäßige Treffen von Neonazisten auf einem Bauernhof nahe Eschede statt. Die letzte fand am 19.6.21 statt. Ich möchte am Ende noch gerne den Schlusssatz von Max-Hinrich Werner zitieren, einem ehemaligen Schüler unserer Schule, welcher auf der Demo eine Rede hielt: „Solche grausamen Taten dürfen nie wieder passieren und wir müssen die Ursachen – Rassismus und Rechtsextremismus – bekämpfen!“ (Ich bedanke mich bei Max, dass er mir seine Rede zur Verfügung gestellt hat.)

Hier noch meine Quellen:

https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/

https://www.hanisauland.de/node/2320

https://www.demokratie-bw.de/rechtsextremismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsextremismus#:~:text=Rechtsextremismus%20ist%20eine%20Sammelbezeichnung%20für%20Ideologien%2C%20deren%20gemeinsamer%20Kern%20die,und%20autoritär%20geprägtes%20Gesellschaftsverständnis%20ist

https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtskonservatismus

Nach den Ferien kommt auch noch ein Text zum Links-Extremismus.

Clarissa Wellnitz

von Clarissa Wellnitz

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