Was ist eine Promotion und wie promoviert man eigentlich? (Interview mit Herrn Dr. March)

Eine Interview-Reihe von Karen Heuer


Vielleicht habt ihr es auch schon bemerkt, dass einige Lehrkräfte an unserer Schule einen Doktortitel tragen, also promoviert haben. Als Laie weiß man nun nicht wirklich, was das bedeutet, deshalb soll zu diesem Thema eine kleine Reihe entstehen, die einen Einblick in das seltene Thema verschafft.  Das könnte vor allem für spätere Studenten interessant sein.  

Der erste Lehrer, der interviewt wurde, ist Herr Dr. March. Er promovierte mit einer Doktorarbeit zu dem Thema: „Sport in der Suchtgesellschaft – Suchttendenzen im Sport. Prävention und Identität im Fluchtpunkt zweier Moderne-Konzeptionen“. Hierbei liegt der inhaltliche Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Sport und Suchtverhalten, worin der Schluss entsteht, dass Sport selbst Suchtpotentiale aufweise und dass sich in Süchten eine misslingende Form der Identitätssuche verberge.

Wie lange dauert es ungefähr zu promovieren?

Das ist sehr unterschiedlich, bei mir waren es jetzt 4 Jahre alleine, nicht als Teil eines Teams.

Das hängt vor allem vom Thema, Fachgebiet und, ob man in einer Gruppe oder alleine arbeitet, ab.

Man kann auch als Angestellter zu einem Forschungsgebiet promovieren.

Wie sehen Promotionsarbeiten ungefähr aus?

Auch hier ist es wieder sehr unterschiedlich, in den Naturwissenschaften ist es eher kurz und in den Sozialwissenschaften eher lang. In der Länge kann es zum Beispiel zwischen 12 und ungefähr 400 Seiten variieren.

Was muss man alles machen und beachten?

Erstmal muss man eine Fragestellung finden, die noch nicht beantwortet worden ist. Außerdem sind viele Quellen nötig, die man unbedingt auch alle als solche kennzeichnen muss, und man muss natürlich auch viel lesen.

Dazu braucht man dann noch eine Struktur, welche hilft die Fragestellung zu beantworten.

Wie finanziert man sich währenddessen? Wie im Studium?

Man kann eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bekommen oder wenn man sehr gute Leistungen erbringt, ein Stipendium beantragen. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit einen Forschungsauftrag von außerhalb (zum Beispiel von Konzernen) zu erhalten oder einen Lehrauftrag an der Universität zu erhalten. Theoretisch kann man auch während dem Studium (oder einer Berufstätigkeit) promovieren, was aber eigentlich nur schwer machbar ist.

Wie frei kann man dabei arbeiten?

Forschungsgruppen haben einen klaren Auftrag und alleine ist man ganz unabhängig, dafür ist es aber auch viel aufwendiger und dauert eindeutig länger.

Wie sehr unterscheiden sich Doktorarbeiten in unterschiedlichen Fachgebieten?

Sie sind sehr verschieden. Es gibt dafür aber eine gängige Unterscheidung in empirische und theoretische Arbeiten. In der Empirik werden vor allem Daten erhoben, die man natürlich zuvor selbst erhebt. In der theoretischen Arbeitsweise nimmt man viele Literaturquellen.

Darf man das Thema ganz frei wählen?

Es kann vorgegeben werden, muss aber auch nicht.

Und wenn ja, wie entscheidet man sich für ein Thema bzw. auf welche Kriterien achtet man dabei?

Das hängt von der Zielsetzung ab und kann auch wieder sehr verschieden sein.

Bei mir hat die Themensuche sogar fast ein Jahr lang gedauert.

Wer prüft bzw. kontrolliert die Doktorarbeiten?

Bei mir waren es in der Fakultät drei Referenten. Dabei achten die Prüfer vor allem auf folgende Fragen: Geht die Arbeit nach wissenschaftlichen Kriterien vor?

Ist es eine neue Entdeckung?

Wieso entschließt man sich dazu?

Mein Dozent hatte mich damals gefragt, vorher hatte ich gar nicht darüber nachgedacht. Ich habe es dann aus Interesse gemacht und auch um meine Einstellungschancen zu steigern, weil es damals noch eher zu wenig Stellen für Lehrer gab, anders als heute.

Wenn man sich dazu entschließt, muss man auch sehr viel Ausdauer, Motivation und Lust mitbringen?

Ja, vor allem wenn man allein und unabhängig arbeitet; und auch wenn man dabei Geld verdient, ist es nicht viel, sodass es zur weiteren Qualifikation dient.

Ist es sozusagen nur noch Prestige?

Nein, weil es dafür zu anstrengend ist. Eine Ausnahme stellt eventuell die Medizin dar, weil es da für viele einfach dazugehört.

Gibt es überhaupt wirkliche Vorteile? Zum Beispiel im Beruf?

Man lernt selbständiges Strukturieren (und Lernen), was im Beruf nützlich sein kann.

Bei Lehrern gibt es in der Einstellung oder Jobsuche nach meinen Erfahrungen keine Vorteile.

Merkt man an der Arbeitsweise, ob Leute promoviert haben oder nicht?

Nein, auch hier ist jeder wieder anders. Es gibt sowohl promovierte Chaoten, als auch Leute, die nie promoviert haben, und dennoch sehr strukturiert arbeiten. In der Promotion muss es selbstverständlich strukturiert und verständlich bleiben.

Woran liegt es, dass Plagiatsvorwürfe entstehen?

Das liegt zumeist an fehlenden Quellenangaben. Das kann man durch ordentliches Arbeiten vermeiden und indem man vor allem nochmal die Quellenangaben kontrolliert, und guckt, ob man alle Zitate auch als solche gekennzeichnet hat.

Müssen Professoren an Universitäten auch vorher eine Doktorarbeit abgelegt haben?

An Universitäten auf jeden Fall. Sie müssen sogar nicht nur promoviert, sondern auch habilitiert haben, das heißt eine Art größere Doktorarbeit über das ganze Feld eines Fachbereiches muss verfasst werden.

Denn Professoren sind die Gutachter für Promotionen und deshalb müssen sie selbst dann natürlich auch schon eine verfasst haben.

An Fachhochschulen ist dies nicht der Fall.

Wird der Titel auch überall aufgeführt?

Ja, in offiziellen Dokumenten, zum Beispiel im Personalausweis, oder in jeglichen anderen formellen Dingen, auf jeden Fall nach dem man es einmal vorgelegt hat.

Legen Sie darauf Wert, mit Titel angesprochen zu werden?

Nein.

Haben Sie noch weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen außer der Doktorarbeit?

Ja, zwei Aufsätze, die ich noch vor der Promotion verfasst hatte, aus einem ähnlichen Themenbereich.

Würden Sie wieder promovieren?

Ja, weil es mir noch mehr Selbstständigkeit gebracht hat, aber ich würde dann versuchen schneller zu arbeiten.

Würden Sie es anderen Leuten empfehlen?

Es kommt halt darauf an, ob es zu den Personen passt und in deren Lebensplanung.

Manche wenige machen es auch erst nach ihrem Berufsleben.

von Karen Heuer

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