In Irland, irgendwo

Eine Ansammlung von Eindrücken meines Austauschjahres, welches vom 13.08.18 bis zum 05.06.19 ging, und mir einigen Stoff für diese Reihe geliefert hat.

1. Die Sache mit dem Heimweh

Viele, besonders die Jüngeren unter euch, kennen es bestimmt: Man gibt alles dafür, um mit seinen Freunden in ein Feriencamp oder in einen Kurzurlaub fahren zu können, aber kaum ist man da, verdirbt einem die Sehnsucht nach zu Hause all den Spaß, den man sich vorher schon lebhaft ausgemalt hat.

Ich wusste das alles, und habe mir so also auch nichts anderes vorgestellt, als ich vor ungefähr einem Jahr nach Irland für mein Auslandsjahr aufgebrochen bin. Und ich hatte auch wirklich die besten Voraussetzungen dafür: In Irland kannte ich niemanden, ich würde für ein Jahr bei einer Familie leben, mit der ich vorher noch nie gesprochen hatte, und auf eine Schule mit einem komplett anderen Schulsystem gehen müssen, hunderte Kilometer von meinem zu Hause entfernt. Obendrauf würde ich das alles in Englisch meistern müssen, was der starke irische Akzent auch nicht gerade erleichtern wird, wie ich erfahren würde.

Eigentlich hat mich all das in den Monaten davor nicht sonderlich gekümmert (ich bin Optimistin), und wie ich später erfahren habe, ging es vielen meiner Irland-Freunde ähnlich, allerdings wurde mir spätestens, beim Abschied von meinen Eltern am Flughafen doch etwas mulmig zumute. Es sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Dinge von Heimweh zu wissen und zu realisieren, dass man nun seine Eltern und Freunde für ein Jahr nicht sehen und nach dem Check-In total auf sich selbst gestellt sein würde.

Gut, vielleicht nicht ganz auf mich selbst.

Immerhin bin ich nicht allein geflogen, andere Austauschschüler meiner Organisation flogen im selben Flugzeug, und es ist nicht zu unterschätzen, wie einfach sich Freundschaften bilden lassen, wenn alle gerade alles hinter sich gelassen haben und endlich anfangen, dies auch zu realisieren. (Und die Jüngste, Schüchternste aus unserer Gruppe auf Drogen untersucht wird).

Und noch etwas Anderes, wirklich Merkwürdiges passierte, während wir so die ersten Tage in Irland zusammen verbrachten und auf unser Heimweh warteten:

Es kam nicht.

Und wenn, dann war es mit einem einzigen schwachsinnigen Witz wieder beendet.

Denn eines war uns nicht klar, als wir in unser Flugzeug einstiegen: Wie viel wir wachsen würden. Wie viel wir lachen würden. Und wie viel alles andere egal sein würde.

Natürlich, nicht alles war immer gut. Manche Gastfamilien waren nicht komplett so, wie man es sich vorgestellt hat, und an manchen Tagen wollte man auch einfach nur im Bett bleiben. Der Unterricht war schwierig, in Irland muss man viel lernen, und manche Probleme mit der Sprache waren auch noch da (der irische Akzent ist wirklich der schlimmste). Und ja, besonders Weihnachten war schlimm, so ohne seine Familie.

Aber es war okay, gerade weil wir nicht alleine waren. Wir hatten uns selbst, und oft auch gute Freunde, und das war genug. Das ist immer genug.

Im Endeffekt war Heimweh also gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte: Man schmeißt nicht sofort alles hin und ruft weinend die Eltern an, dass sie einem schon einmal ein Flugticket kaufen sollen. Zugegeben, man möchte es vielleicht. Aber stattdessen steht man wieder auf, irgendwann, und macht weiter, und genießt es.

Im Endeffekt kann einem Heimweh kaum stoppen, und ich glaube, es ist beruhigend, das zu wissen.


von Maxine Eicker

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