Ein Interview mit einem Musiker – Teil 1

Musiker zu werden ist, wie viele glauben, nicht nur ein Traum von achtjährigen Jungs, sondern auch von vielen Jugendlichen, die sich schon wirklich seriös damit beschäftigen. Besonders auf YouTube findet man besonders viele von ihnen, wobei sich hier allerdings die Frage nach der Qualität stellt, denn einige wissen anscheinend nicht, dass sie (offen gesagt) grottenschlecht sind. An unserer Schule kann man im Gegensatz dazu schon wirklich professionelle Musiker antreffen. Einer von ihnen ist Tim Marek Schlicht, der vielen vielleicht auch als Leiter der Gitarren-AG bekannt ist. Ein Album von ihm kann man sogar schon auf ITunes, Spotify, usw. erwerben, und ehrlich gesagt, hört es sich verdammt gut an. 😀 Aus diesem Anlass heraus fühlte ich mich natürlich irgendwie dazu verpflichtet, ihm mal in einem Interview 20 Fragen über ihn und seine Musik zu stellen, und hier ist, was dabei rausgekommen ist:

Schülerzeitung: „War es schon immer dein Plan, Musik zu machen?“

Tim: „Ich denke, das kommt darauf an, wie man das definiert. Musik machen kann heute schließlich vieles heißen. Man kann einfach nur ein Instrument nach Noten spielen, Lieder schreiben, Songs veröffentlichen oder auch mit anderen Leuten zusammen in Bands spielen. Instrumente spielen ist wahrscheinlich das Einzige, was ich schon immer wollte, darum habe ich auch angefangen, Klavier zu spielen, als ich erst fünf war, Gitarre dann nachher mit zehn. Je länger man sich dann damit beschäftigt, Musik zu spielen, umso mehr läuft es auch darauf hinaus, dass man immer mehr den Wunsch hat, eigene Songs zu schreiben und zu spielen und dabei entsteht praktisch automatisch das, was wir jetzt als Musiker bezeichnen würden. Nur merkt man das meistens immer erst, wenn es schon so weit ist. Es ist eigentlich ganz witzig. Musiker zu werden war also ein netter Nebeneffekt. :D“

Schülerzeitung: „Wie hast du angefangen?“

Tim: „Zuerst habe ich Klavier gespielt. Dafür hatte ich ungefähr fünf Jahre Unterricht (mit Pausen), aber als ich in etwa zehn war, habe ich dann alleine weitergemacht, einfach weil ich noch nie ein großer Fan von Noten und der ganzen Theorie war. Es ist mir einfach schwer gefallen, die Sachen, die ich machen wollte, bei diesem Unterricht zu lernen. Was ganz witzig ist: Seit ungefähr vier Monaten bin ich jetzt selbst Klavierlehrer. Ich frage jede Woche nach, was meine Schülerin denn spielen möchte und was sie am liebsten lernen würde. Allerdings glaube ich, dass sie sich davon schon langsam genervt fühlt.“

Schülerzeitung: „Was ist dein Lieblingsinstrument?“

Tim: „Ich habe zuhause so um die 20 – 30 Instrumente, darum ist die Frage nicht gerade leicht, aber ich bin einfach ein Riesenfan von verschiedenen Instrumenten, ganz besonders Saiteninstrumenten. Davon mag ich aber speziell die Folk-Instrumente am meisten, weil sie einfach alle ihre Besonderheiten haben. Auf einer Gitarre zum Beispiel kann man am meisten machen, ein Banjo sollte aber auch nicht unterschätzt werden. Auch wenn niemand wahrscheinlich auf ein Zwei-Stunden-Solo-Banjo Konzert gehen würde, ist es unheimlich cool, darauf zu spielen.“

Schülerzeitung: „Hattest du schon mal einen Auftritt?“

Tim: „Ja, ich hatte, abgesehen von der Gitarren-AG natürlich :D, auch schon eigene Auftritte mit und ohne andere Leute. Angefangen hat alles am Klavier – entweder auf Senioren-Feiern meiner Oma mit fünf Jahren oder auf Grundschulfeiern mit sechs Jahren. Richtig als Musiker habe ich aber erst dieses Jahr recht viel gemacht. Einmal haben wir letzten Sommer von Ende Juni bis Anfang August ziemlich viel auf der Straße gespielt, teilweise auch eigene Songs. Das war so die erste richtige Erfahrung, die wir mit dieser Form von Auftritt gemacht haben. Wenn man sich einfach so auf die Straße stellt, ist es zwar riskant, aber als wir dann erstmal angefangen haben, lief es wirklich gut und viele Leute haben uns nachher noch ein Feedback gegeben. Letzten Monat habe ich auch in Hamburg beim „Singer-Songwriter-Slam“ gespielt, das ist so eine Veranstaltung für Musiker aller Art. Dort muss man live einen selbstgeschriebenen Song spielen. Jeder der das will, kann sich dort anmelden. Die Veranstaltung war aber nicht ganz so ernst, wie es jetzt klingt, aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Vor allem die anderen Teilnehmer waren ziemlich interessant.“

Schülerzeitung: „Warst du sehr nervös vor deinem Auftritt?“

Tim: „So etwas wie Nervosität versuche ich, mir auszureden. Es fängt dann meistens aber doch so zwei Minuten vor dem Auftritt an. Aber das Gute an diesem Abend war, dass immer ausgelost wurde, man hatte also keinen festen Zeitpunkt, vor dem man Angst haben musste, sondern hat immer beim Losziehen kurz die Luft angehalten und wieder ausgeatmet, wenn man es nicht war. Viel Zeit zur Nervosität blieb da also nicht.“

Schülerzeitung: „Was denkst du, wie viele Fans du hast?“

Tim: „Ich denke, es gibt einige Leute, die die Musik ganz cool finden und sich davon begeistern haben lassen, besonders durch eine „CD-Verteilungsaktion“ letztes Jahr mit dem Album. Auf dem war so ziemlich für jeden etwas dabei. Seit Sommer versuche ich schon, nochmal so eine CD zusammenzustellen, aber diesmal wird es wohl eher speziell in eine Richtung gehen. Im Allgemeinen habe ich aber mit dem Wort „Fan“ ein kleines Problem, auch wenn das Wort heutzutage immer öfter auftaucht. Ich finde das Wort sagt aus, sich komplett von einer Person zu begeistern zu lassen und praktisch von ihr besessen zu sein, auch wenn das jetzt sehr voreingenommen klingt. Darum habe ich es lieber, einfach nur Leute zu haben, die meine Musik auch wirklich nur um meiner Musik willen gerne hören und nicht wegen meiner Person. Die Musik soll also deutlich im Vordergrund stehen und nicht etwa der Künstler, wie es heute oft der Fall ist.“

Schülerzeitung: „Was liebst du am meisten daran, Lieder zu produzieren?“

Tim: „Was ich dabei immer toll finde, ist, dass ich mir jedes Mal, auch wenn ich es eigentlich nicht möchte, vorstelle, ich wäre eine andere Person, ganz egal welche, und ich höre jetzt hier gerade die Lieder von einem unbekannten Künstler, zum Beispiel im Radio. Was könnte dieser Künstler jetzt machen, um mich zu beeindrucken? Ich versuche also, mich in irgendjemanden hineinzuversetzen, jemand Neutralen, und überlege dann, was er denn in meiner Musik sehen würde. Es ist praktisch ein nie endender Kampf, alles immer noch perfekter und besser zu machen, bis man es schließlich irgendwie schafft oder eben nicht. Aber selbst dann: Songs sind ja generell niemals fertig.“

Schülerzeitung: „Hast du eine besondere Quelle der Inspiration?“

Tim: „Ich glaube, der Grund, dass ich überhaupt damit angefangen habe, Songs zu schreiben, war, dass ich mit zehn Jahren ein ziemlich großer Fan von Marit Larsen wurde, und das war damals ziemlich besonders für mich, weil sie die erste Musikerin war, die ich auch wirklich für ihre Songs geliebt habe. Damals hat sie mich eher mit ihrer Musik umgehauen, mittlerweile aber auch mehr mit ihren Texten. Mit ihrer Musik bin ich also quasi aufgewachsen, daher hatte sie auch bezüglich meiner Songs einen großen Einfluss auf mich und hat mir immer dabei geholfen, meine Texte möglichst anspruchsvoll zu gestalten. Letztes Jahr im Sommer konnte ich sie sogar nach einem Konzert einmal richtig treffen. Besonders toll war aber, dass sie sofort auf mich zukam (ich wollte eigentlich nur, dass sie meine Gitarre signiert), und bevor ich irgendetwas sagen konnte, hat sie mir erst einmal gedankt, dass ich die ganzen Covers (KURSIV: Anm. d. Red.: Das heißt, dass Tim die Songs von Marit Larsen in einer eigenen Version aufgenommen hat.) von ihren Songs auf meinen YouTube Kanal gemacht habe. Ich wusste bis dahin noch nicht einmal, dass sie die Covers kannte. Als sie mir dann erzählt hat, dass sie eigentlich genauso angefangen hat, hat das in mir tatsächlich schon dazu geführt, mehr eigene Songs zu machen und nicht so viel darauf zu geben, was andere davon denken.“

Schülerzeitung: „Was bewegt dich dazu, Songs zu schreiben? Empfindest du etwas dabei?“

Tim: „Ich würde sagen, wenn man es in Statistiken ausdrücken würde, sind 30% meiner Songs einfach aus Spaß oder aus Langeweile entstanden, die teilweise aber auch zu wahnsinnig großen Projekten werden und wirklich gut enden. Bei den restlichen 60% (10% sind Mist) ist es so, dass man schon überlegt, welche Probleme es gerade gibt, über die man schreiben kann. Eine vollkommen perfekte Welt wäre praktisch ja auch der Untergang aller Künstler, man könnte sich über nichts mehr aufregen. Man könnte keine Sehnsucht mehr haben, und davon lebt die Kunst. Von daher schaue ich immer, was mir an meinem Leben gefällt und was nicht, und versuche in meinen Songs auch besonders die Themen zu behandeln, die noch nicht in tausend anderen vorkamen. Sonst wäre es ja irgendwann langweilig.“

Schülerzeitung: „Wie gehst du dabei vor?“

Tim: „Bei den Songs, die eher aus Spaß entstehen oder bei denen ich einfach nur eine bestimmte Melodie im Kopf habe, nehme ich eigentlich zuerst die Musik auf und denke mir danach irgendeinen verkrüppelten Text aus, der von den Silben her gerade drauf passt. So war das zumindest früher. Jetzt ist es eher so, dass ich harmonische Muster im Kopf habe und mir gleichzeitig zu der Melodie auch den Text ausdenke. Ich mag es aber gar nicht, zuerst die Texte zu schreiben und diesen dann zu vertonen, da es dann häufig nicht mit den Silben passt oder der Melodie widerspricht, worauf ich sehr viel Wert lege, dass das nicht passiert. Ich bin so ein Mensch, bei dem in einem Song alles passen muss: die Reime, das Schema und auch die Silben. Ich rege mich auch auf, wenn man mal vom Kreuzreim abweicht. Darum kann ich eigentlich weder erst die Musik machen und dann die Texte schreiben noch zuerst die Texte und dann die Musik. Deshalb muss ich oft beides gleichzeitig machen, was dann aber auch schnell ziemlich kompliziert werden kann.“

So, da dieser Artikel an dieser Stelle schon wieder eindeutig zu lang wird und noch zehn Fragen auf uns lauern, die ich nicht bereit bin, komplett rauszukürzen, erscheinen die übrigen Fragen in einem zweiten Teil (wie man auch eigentlich schon am Titel hätte erkennen können). Also keine Sorge, ich habe mich am Anfang nicht verzählt, insgesamt werden es dann wirklich 20 Fragen 😀 Aber bis dahin schaut euch Tim doch einfach mal selbst seinen YouTube Kanal „TS Alternative“ an oder werft mal ein Auge (nicht wörtlich, bitte!) auf seinen Online-Shop unter diesem Link: http://tsalternative.bigcartel.com/

von Maxine Eicker

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